Die Krieger der Heilsarmee

  • Die Männer sitzen um den Tisch. Nicht alle nebeneinander. Manche
    auseinander. Sehr auseinander weg. Von den anderen.

  • Sie blicken. Sich an. Flüchtig. Irgendwo hin.

  • Oder lesen Zeitung.

  • Vielen hat der Alkohol das Gesicht weggeschlagen. Breigesichter.
    Rote aufgedunsene.

  • Sie blicken leer. Ohne Hoffnung. Mit einem Zwinkern. Oder resigniert.
    Oder verunsichert. Oder neugierig.

  • Sie blicken. Immer wieder. Halten Gegenblicken nicht stand.

  • Haben die Ehre mit dem alten Leben abgegeben.

  • Haben keine Stolzhaut mehr.

  • Lachen. Meinen es aber nicht so.

  • Vertrauen ist aus.

  • Sind nur noch selbst. Sich selbst. Muss genügen.

  • Zuviele Enttäuschungen.

  • Aber auch: hängen lassen und andere dafür verantwortlich machen.

  • Wenn das Leben von einem Tag auf den anderen ein anderes wird.

  • Unvorbereitet.

  • Oder vorbereitet. Spielt keine Rolle.

  • Nur das Leben spielt mit dem Leben.

  • „Manche sterben hier.“ sagt sie.

  • Manche nicht. Sie gehen und sterben woanders. Sage ich.

  • Diese Männer leben auf einem verwesendem Leben. Sage ich.

  • Sie stinken. Sage ich.

  • „Mit Gottes Hilfe!“ sagt sie.

  • Ich lache leise.

  • Was wissen die Gläubigen schon von Gottes Hilfe?…

  • Manche, nur wenige, schaffen es „zurück ins normale Leben.“

  • Kein Sieg. Nur eine Seitwärtsbewegung.

  • Immerhin eine Bewegung.

3 Kommentare zu „Die Krieger der Heilsarmee

  1. Mir geht’s nicht um die Einrichtung Heilsarmee. Mir geht es darum, das da mitunter ein Scheißelend ist und es einfach eine gute Idee ist, sich dem auszusetzen und im Rahmen dessen, was man kann zu helfen.

    Lösen tut das kein einziges Problem.

    Aber, ja, es rückt einen zurecht, man bekommt eine nicht mehr gaaaanz so dekadente Perspektive auf seine Situation.

    Im übrigen ist das ein guter Text, da oben.

    Typo-korrektur. Sorry.

  2. Innerhalb dessen, was gemeinhin als Gesell- oder Gemeinschaft bezeichnet wird, tut die Heilsarmee sicherlich einen guten Dienst am „menschlichen Elend“. Frontschweine, ja. Wenn auch nicht ohne Eigennutz.

    Mir ging es allerdings bei meinem Blogeintrag nicht um die Heilsarmee -die ist mir genauso wurscht, wie alle anderen kirchlichen oder kirchlich-institutionalisierten Einrichtungen- sondern um die Blicke und Schwingungen, die ich von den „Inhaftierten“ entgegengenommen habe. Alle möglichen Schattierungen von Blicken.

    Ich empfehle jedem, der über sein kärgliches Dasein in dieser ach so schlimmen Welt jammert, wärmstens, mal einen Tag in einer solchen Umgebung zu verbringen. Um sich selbst wieder zurechtzurücken.

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