Arschlochauge

(Auszug aus der Kurzgeschichte „Arschlochauge“, Fetzen von Ronz)

„Mein Herr, ich kann ihnen versichern, dass es nie in meiner Absicht lag, anwesende Damen abschätzig zu beworten. Von mir geistesabwesend getätigte Äußerungen bezogen sich durchgehend und in tutto auf absente Weiblichkeiten. Darf ich mich vorstellen: Arschloch. Rosetta von Arschloch!“
Schächter war dafür bekannt, nicht lange zu fackeln. Und blöd zu sein. Saublöd, sogar. Was blieb ihm also anderes übrig, als dem Arschgesicht vor ihm mit voller Wucht seine linke Ein-Quadratmeter-Faust mitten in die Zwölf zu wuchten. Spontane Reaktion. Biologie pur. Gewalt, die seine Ursache in fehlender Hirnmasse hatte. Rosetta dachte, die Faust in Slowmo auf sich zukommend: „Wass’n Tag!“

Der kleine Mann wischte sich mit dem Handrücken lässig das Blut aus dem Gesicht, das unentwegt aus seiner Nase tropfte. Inverse Infusion, Exfusion sozusagen. Mit festen Rosetten blickte er dabei seinem Gegenüber in die Augen. Der Riese vor ihm war eine lokale Größe im Kaff. Schächter war groß wie eine Eiche, stark wie ein Grizzly und stank wie ein Iltis. Noch immer hielt er die geballten Fausthämmer in Abwehrhaltung vor dem massigen Körper. Korrektur: keine Abwehrhaltung, er stand da wie ein Luftballon, der gleich zu Platzen drohte. „Willsch du noch ein auf deim Maul?“ bellte Schächter dem Bluter in die Arschlochaugen.
Dieser erwiderte, nach einer fast schon unanständigen Pause, sachlich und überraschend gelassen „Ich denke, es wäre der Situation unangemessen und trüge auch nicht zur Deeskalation derselben bei, wenn ich den geehrten Herren mit weiteren missverständlichen Äußerungen meinerseits konfrontierte. Betrachten wir die Angelegenheit als nie vorgefallen, ihr geschätztes Einverständnis voraussetzend. Das Hinzuziehen öffentlicher Instanzen erachte ich als nicht erforderlich.“

Die jetzt folgende Pause war grotesk. Schächter dachte angestrengt und hörbar nach, zog die Augenbrauen nach unten und richtete den Blick an die Decke der Kaffspelunke. Nach einer halben Ewigkeit blickte er unsicher in die Runde der Gaffer, dann auf seine Fäuste. Die peinliche Stille wurde nur vom leisen Dahinblubbern eines Geldspielautomaten begleitet. Schächter war ganz offensichtlich mit der Situation überfordert. Um sein Gesicht nicht zu verlieren, tat Schächter das, was er am besten konnte. Bellen. „Was willsch du? Mi beleidigen? Hau i dir Fress platt!“
Kaum hatte er diesen Satz ausgerotzt, trat das kleine Arschlochauge einen Schritt auf den Bären zu. Schächter wich, ob dieser unerwarteten Handlung, erschrocken mit dem Oberkörper zurück. „Mein Herr, nichts läge mir ferner, als sie durch weitere Wortflatulenzen meinerseits zu diskreditieren. Ich erwähnte bereits, dass wir diesen kleinen Disput, sofern es meine Person betrifft, ad acta legen können. Einverstanden?“ Schächter schnaubte, wie ein Bulle. Dann näherte er sich langsam mit seinem mächtigen Holzschädel dem kleinen Köpflein des Arschloches, bis sich die Nasen der beiden fast berührten. Schächter schnupperte in Hundemanier kurz an seinem Gegenüber und legte ihm fast zärtlich die tellergroßen Pranken auf die Schultern. „Magsch a Bluna?“

4 Kommentare zu „Arschlochauge

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