Wenn die Befriedigung von Einzelbedürfnissen zur Massenbewegung verkommt

Da macht sich der Mensch die Arbeit und macht den Buckel krumm, so krumm, dass er mit der heraushängenden Zunge Zehenzwischenräume lecken kann, seine und die von anderen, zum letzten mal aufrecht stand er im Mutterleib, kann sich nicht mehr erinnern.

Da macht sich der Mensch die Arbeit und tötet einen anderen Menschen, aus Versehen, er zersägt ihn fein säuberlich und lässt die Schweine los, die Knochen zerstäubt er liebevoll und sendet sie mit dem Paketdienst in die Wüste, er sichert damit weiträumig Arbeitsplätze.

Da macht sich der Mensch die Arbeit und ölt sich die Brüste und die Beine und den straffen Bauch und die Hackfresse und legt sich bäuchlings unter die Sonne, welche strahlt, wie immer, unschuldig grell, verbrennt Häute, gespeicherte Arbeit nennt das der Physiker dann.

Da macht sich der Mensch die Arbeit und zählt die Haare, die einen durchschnittlichen Schwanz umringen, verzweifelt an der Aufgabe fast, denn das Kräuseln, letztendlich haut er ein Ei über das Kräuseln und wendet sich wieder seinen Kriegen zu, da weiß er was er hat und kann.

Da macht sich der Mensch die Arbeit und denkt nach, über sein Leben und alternative Leben, über Mutter und die kokette Art, wie sie sich immer schlagen ließ von ihrem Mann, wie sie davor die Kinder ins Bett legte, mit zitternden Händen, und nicht sagte „Bis morgen, mein Schatz“.

Da macht sich der Mensch die Arbeit und hilft anderen Menschen, schubst sie lächelnd in ihr Glück, auch die, die nicht „Hier!“ rufen, im Glück lässt er sie dann allein und fährt zurück ins Unglück, die Glücklichen wissen oft nicht, dass sie nun glücklich sind.

Da macht sich der Mensch die Arbeit und spaltet Atome, immer kleiner, immer feiner, bis nur noch ein Spalt übrig ist, aber kein Spaltbares mehr, dann sagt der Mensch „Endlich!“ und beginnt von vorne, denn nicht das Spalten ist seine Leidenschaft, sondern die Spalte an sich.

Da macht sich der Mensch die Arbeit und liebt, erst einen Menschen, dann einen an­deren, dann noch zehn weitere oder ca. zwei, zu allen sagt er „Ich liebe dich“ und ver­steckt immer das „temporär“, im Temporär kann man soviel lieben, wie Mensch will, ohne je anzukommen, das hat er sich raffiniert zurechtgelegt.

Da macht sich der Mensch die Arbeit und geht arbeiten, er nennt das „Job“ oder „Er­füllung“ oder „meinen Beitrag leisten“, er wechselt jeden Tag die Unterwäsche, mit fri­scher Unterwäsche arbeitet es sich leichter, wenn die Unterwäsche riecht, sagt er nicht „Mir stinkt die Unterwäsche“ sondern „Mir stinkt der Job“, dann wechselt er die Unterwäsche, nicht den Job. Menschen sind vorhersehbar.

Wenn der Mensch einmal nicht arbeitet oder arbeitslos ist, hat er Mühe das Nichtarbeiten abzuarbeiten, oft ertappt er dann sein Selbst, lächelt verlegen, hat sich nichts zu sagen, bis das Nichtssagen wieder in Arbeit ausartet, dann ist alles wieder in Ordnung.

Menschen benutzen Arbeit als Fassade und nennen sie „Berufung“ oder „Mittel zum Zweck“, im Grunde ist die Arbeit jedoch der willkommene Gefährte des Menschen, der immer in die gleiche Richtung zeigt und ruft „Sieh’ hier, das alles ist deins! Familie, Wohlstand, Befriedigung, Glück“, und immer wieder Glück, in der entgegengesetzten Richtung liegen die Wahrheit und das Nichts, dorthin zeigt der Gefährte nie, denn dort stehen nur wenige Menschen, neben den Tieren.

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