Baumbären

Da ist ein Park, gleich am Ende der Strasse in der ich wohne. Die Strasse ist bucklig und alt, sie trägt mich nur unwillig zum Rand des Parks und beschwert sich bei jedem Schritt, den ich setze.

Da ist ein Park, bucklig und alt und lächelt, als er mich sieht. Sagt „Lass‘ die Strasse doch maulen, sie meint es nicht so. Im Grunde will sie nur gestreichelt werden.“

Dann lässt er mich zwischen seine Brüsten schreiten.

Ich wandle auf Gräsern und Herbsthaaren.

Das Brummen. Leise. Liebe. Baumbären.

Zerfurchtes Fell mit Rinde. Hart. Samt.

Da, seht den Baumbärkönig! Mit seiner ausladenden, tief reichenden Krone. Seit Wochen versucht er mit der Spitze eines sterbenden Blattes den Boden zu berühren. Er ist wahrhaft mächtig und respekteinflößend. Unzählige Blattsatelliten kreisen in Lichtjahren Entfernung um seinen wuchtigen Stamm.

Doch die ganze Stattlichkeit hilft ihm nicht dabei, mit diesem einem sterbenden Blatt das verblassende Grün zu erreichen. Obwohl er dabei die Zunge rausstreckt, wie verrückt. Und grunzt, wie Opa. Streckt sich, wie Bären sich eben strecken. Speichel tropft von seiner Zunge.

Er strengt sich sehr an.

Ich sehe ihm drei Trilliarden Momente zu.

Er beobachtet mich aus den Mundwinkeln.

Da kommt der Moment, da ist er erschöpft. Dann tut er, was er in jedem Jahr tut. Er lässt das sterbende Blatt fallen und bittet es, ihm zu berichten, wie das ist. Den Boden sanft zu berühren. Ganz kurz nur seufzt er. Dann setzt er sich wieder auf seinen Thron.

Ich nicke und gehe zurück zur Strasse. Streicheln.

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