Frieden / Peace

Der Mann ist auf einen Geburtstag eingeladen. Der Freund seiner Tochter feiert. Der Mann mag den Freund, weil er nicht klammert. Der Freund heisst gerade Urban. Urban lässt lässt den Mann so sein wie er ist. Urban doktort nicht an dem Mann herum, versucht ihn nicht zu ändern. Wie auch.

Das Fest findet in einer Gartenanlage statt. Dort stehen mehrere Bauwagen. Verschiedene Menschen haben sich einen Bauwagen als Zuhause ausgebaut. Da ist alles drin. Bett, Heizung, Küche. Aber kein Klo. Geduscht wird im Dusch-Wagen. Junge Leute machen das so. Das imponiert dem Mann. Sie machen das einfach so. Er fragt sich dennoch wo sie kacken.

Auf dem weitläufigen Grundstück haben sie Bierbänke aufgestellt. Dort sitzen Menschen. Unterhalten sich, essen Gegrilltes, trinken Bier. Alle sind deutlich jünger als der Mann. Er fühlt sich nicht fremd. Er kennt viele. Sie kennen ihn. Er unterhält sich mit Beate, die keiner so richtig leiden kann. Der Mann hört ihr zu, hört in sie hinein.

Was er nicht wusste: die Tochter hat auch seine Ex eingeladen. Er sieht sie kurz, ein freundliches Hallo, dann wieder Beate. Der Mann vergisst seine Ex wieder. All die schönen Erlebnisse. Wie wichtig diese Frau einst war. Dann ist er ehrlich zu sich und vergisst sie doch nicht. So wertvoll. Sie. Sein Leben wurde ein anderes, als er mit ihr zusammen war. Dankbarkeit.

Die Leute sitzen nun alle vor dem Eingang eines alten Hauses. Das war mal ein Blumenladen. Verwittertes Mauerwerk, efeuumrankt. Staubig. Der Mann fühlt sich geborgen. Die Strasse vor dem Haus ist alt und lang. Faltiges Kopfsteinpflaster links und rechts. An beiden Enden biegt sich die Strasse, will nicht gerade sein. Die Nachmittagssonne fällt in Sommern behutsam in alte Straßenschluchten.

Entlang der Strasse sitzen Menschen, weithin. Sie warten auf die Parade, die man um die Ecke schon trompeten hört. Das Gedödel wird lauter, aber die Parade erscheint nicht. Dem Mann ist das aufgefallen. Keine Elefanten. Nur Getröte ohne Drumherum. Er hinterfragt das nicht. Ist halt so.

Dann sitzt er wieder im Garten am Biertisch. Mit Sandra, die mit den blauen Haaren, wie man weiss. Er wendet kurz den Kopf und sieht seine Ex. Sie geht Hand in Hand neben einem Mann. Er ist nicht sonderlich attraktiv, auch wesentlich jünger als seine Ex, hat lange Haare. In seinem Gesicht steht Wolfgang. Der Mann am Tisch wartet auf den Schmerz. Er kommt nicht. Überraschung.

Später unterhält sich der Mann drinnen, wo ist egal, mit Mampfi, dem Musiker. Seine Ex schlüpft vorbei, Arm in Arm mit Wolfgang. Das Paar bleibt stehen und die Frau schmiegt sich an Wolfgang. Sie blickt dem Mann lange in die Augen. Die Leute sagen was man nun in ihrem Blick sehen sollte. „Sieh‘ her, ich habe einen Neuen. Du bist Geschichte.“ Doch der Mann sieht etwas anderes. Er sieht „Mir geht es gut, du musst dir keine Sorgen machen. Ich bin glücklich.“

Der Mann nickt. Warmes Herz. Frieden.

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The man is invited to a birthday party. His daughter’s boyfriend is celebrating. The man likes the boyfriend because he is not clingy. The boyfriend’s name is Urban right now. Urban lets the man be the way he is. Urban does not mess with the man, does not try to change him. How could he?

The birthday party takes place in a garden area. There are several construction trailers there. Various people have made a construction trailer their home. There is everything in it. Bed, heating, kitchen. But no toilet. People shower in the shower trailer. Young people do it that way. That impresses the man. They just do it that way. He still wonders where they poop.

They have set up beer benches on the sprawling property. People are sitting there. They are talking, eating barbecue, drinking beer. All of them are clearly younger than the man. He doesn’t feel like a stranger. He knows many people. They know him. He talks to Beate, whom no one really likes. The man listens to her, listens into her.

What he didn’t know: the daughter has also invited his ex. He sees her briefly, a friendly hello, then Beate again. The man forgets his ex again. All the beautiful experiences. How important this woman once was. Then he is honest with himself and doesn’t forget her after all. So precious. Her. His life became different when he was with her. Gratitude.

The people are now all sitting in front of the entrance to an old house. It used to be a flower store. Weathered brickwork, ivy-covered. Dusty. The man feels safe. The street in front of the house is old and long. Wrinkled cobblestones left and right. At both ends the road bends, doesn’t want to be straight. The afternoon sun falls cautiously into old street canyons in summers.

People sit along the street over a long distance. They are waiting for the parade, which you can hear trumpeting around the corner. The din gets louder, but the parade does not appear. The man noticed that. No elephants. Just trumpets without any trimmings. He doesn’t question that. It is just the way.

Then he sits again at the beer table in the garden again. With Sandra, the one with the blue hair, as you know. He turns his head briefly and sees his ex. She is walking hand in hand next to a man. He’s not particularly attractive, much younger than his ex, has long hair. His face has Wolfgang written all over it. The man at the table is waiting for the pain. It is not coming. Surprise.

Later the man chats inside, where doesn’t matter, with Mampfi, the musician. His ex slips by, arm in arm with Wolfgang. The couple stops and the woman snuggles up to Wolfgang. She looks into the man’s eyes for a long time. People say what should now be seen in her gaze. „Look here, I’ve got a new guy. You’re history.“ But the man sees something else. He sees „I’m fine, you don’t have to worry. I’m happy.“

The man nods. Warm heart. Peace.

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